Der Charme des Chemihütte-Schwinget bleibt unübertroffen

  01.10.2026 Sport-Reportagen

Ob ein Eidgenössisches Schwingfest oder ein Unspunnen, ein Kilchberger, ein Bergschwinget auf der Rigi und dem Brünig – das traditionell am Saisonende stattfindende Chemihütte-Schwinget in Aeschiried braucht sich bezüglich Ambiance, Charme und Stimmung vor den grossen Festen nicht zu verstecken. Dazu kommt das erneut prächtige Wetter, das die Organisatoren, die 103 angetretenen Schwinger und die rund 2000 Zuschauer auch bei der 51. Austragung verwöhnte, die Aussicht auf Niesen und Thunersee – Herz, was willst du mehr?

So war es logisch, dass man ausschliesslich zufriedene, strahlende Gesichter zu sehen bekam, eines davon gehört Jonas Lengacher. Der Präsident des Organisationskomitees, seit drei Jahren im Amt und auch Chef des ortsansässigen Schwingklubs, strahlte bereits am Vormittag, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, wie viel Freude ihm der in seiner Firma arbeitende Lars Zaugg und die Schwinger seines Klubs bereiten sollten. Dass Lengacher auch Chef des Einteilungskomitees ist, ändert nichts am Grosserfolg seiner Schwinger – ein Schelm, der schon nur auf den Gedanken kommt, er hätte seine Aktiven bei der Einteilung mit Samthandschuhen angefasst.

Lars Zauggs Bestätigung
Lars Zaugg, der Mann aus Herbligen, der für den Schwingklub Siehen in die Zwilchhosen steigt, bestätigte eindeutig, dass er einer der grossen Aufsteiger der Saison ist. Auf der Schwägalp stand er nach Siegen über die Eidgenossen Damian Ott und Domenic Schneider und einem Gestellten gegen Werner Schlegel im Schlussgang gegen den Schwinger des Jahres, Fabian Staudenmann. Und auch auf der Rigi schwang sich Zaugg in den Schlussgang, wo er erneut an Staudenmann scheiterte. In Aeschiried bewies der Modellathlet nach einem Gestellten gegen Damian Dubach aus Reichenbach mit fünf Siegen in Folge, dass mit ihm in den nächsten Jahren ganz vorne in den Ranglisten zu rechnen ist. Dreimal bodigte er in den Gängen 4 – 6 mit Adrian, Fabian und Remo die drei Schärz-Brüder. Im Schlussgang bezwang er Remo Schärz nach rund vier Minuten.
Dies natürlich zur Freude seines Chefs, Jonas Lengacher, doch dieser durfte sich auch an weiteren Spitzenplatzierungen von Aeschi-Schwingern freuen. Remo Schärz klassierte sich gleichauf mit dem Eidgenossen Patrick Gobeli auf Rang 2, Bruder Adrian kam mit nur einem Viertelpunkt weniger in den 3. Rang und Fabian Schärz klassierte sich auf Rang 4 – was für ein Erfolg für die Familie.

Nicht Bernhard, sondern Alex
Für einmal nicht der 114-fache Kranzgewinner Bernhard Kämpf, der nach einer langen und anstrengenden Saison den Weg nach Aeschiried nicht antrat, sondern sein Bruder Alexander schwang erfolgreich. Mit drei Siegen und drei gestellten Gängen klassierte er sich ungeschlagen im 6. Rang. «Es ist schön, hier dabei zu sein. Das Chemihütte-Schwinget ist immer ein wunderschönes Fest in familiärer Atmosphäre, man kann unbeschwert schwingen und muss nicht auf jeden Viertelpunkt achtgeben, da es sich nicht um ein Kranzfest handelt.» Ähnlich beurteilte der Worblentaler Reto Walther, der Bruder des zweifachen Eidgenossen Adrian Walther, das Fest: «Ein schöner Saisonausklang. Wunderschönes Wetter, eine perfekte Stimmung und die Tatsache, dass man für einmal nicht unter grossem Druck steht, macht das Fest noch schöner.» Dass dies der Fall ist, bewiesen Walther und Patrick Gobeli vor dem zweiten Gang, bei dem sie aufeinandertrafen. Sie unterhielten sich lachend und scherzend minutenlang, gingen ins Sägemehl und nach wenigen Sekunden lag Walther auf dem Rücken. Die beiden verliessen lachend und weiter parlierend den Sägemehlring. «Ich habe mich wohl überraschen lassen», meinte der Unterlegene zum nachmaligen Zweiten Patrick Gobeli.

Perfekte Organisation
Einmal mehr glänzte das Organisationskomitee in Aeschiried mit einer hervorragenden Arbeit. Das Team um Präsident Jonas Lengacher hatte nicht nur Wetterglück, sondern trug mit einer umsichtigen Planung viel zum Gelingen des Anlasses bei. «Wir haben viel Erfahrung, sind ein eingespieltes Team, in dem jeder weiss, was seine Aufgabe ist. Am Vortag wird die Arena aufgebaut, nach dem Schlussgang wieder abgebaut, das klappt alles problemlos, auch dank dem Entgegenkommen der Landbesitzer.» Auf ihre Rechnung kamen auch die kulinarischen Geniesser. Vom «Chäsbrägu» über die leckeren Bratwürste und Cervelats bis zum Softeis gab es für jeden Geschmack etwas im reichhaltigen Angebot und auch die durstigen Kehlen konnten ohne lange Wartezeiten an den verschiedenen Verkaufsständen oder im Restaurant schnell gelöscht werden. Und nicht vergessen darf man die fehlerfreien Richter und das Speakerteam, das die Zuschauenden nicht nur aufmerksam und perfekt informierte, sondern mit dem einen oder anderen gelungenen Spruch auch für Heiterkeit sorgte.

Pierre Benoit


Glarner der Erfolgreichste
Erfolgreichster «Chemihütte»-Schwinger war bisher Matthias Glarner, der Schwingerkönig von Estavayer 2016, mit sechs Festsiegen. Dahinter folgt Johann Santschi mit vier Erfolgen vor Ernst Schläpfer, Roger Brügger und Christian Bürki mit je drei Siegen. Mit Heinrich Knüsel (Sieger 1985 und 1986), Adrian Käser (1993) und Kilian Wenger (2017) stehen drei weitere Schwingerkönige auf der Siegerliste.


Die Sieger seit 2010
2026 Lars Zaugg
2025 Florian Aellen
2024 Patrick Gobeli
2023 Adrian Klossner
2022 Thomas Inniger
2021 Konrad Steffen
2019 Matthias Aeschbacher
2018 Thomas Sempach
2017 Kilian Wenger
2015 Thomas Sempach
2014 Matthias Glarner
2013 Matthias Glarner
2012 Matthias Glarner
2011 Remo Stalder
2010 Matthias Glarner und Simon Anderegg

 


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