Die Verletzungshexe bleibt Yannick Schwabs treue Begleiterin
06.08.2026 Sport-ReportagenDie Spielzeiten der Jahre 2023/24 und 2024/25 fanden ohne Yannick Schwab statt. Der Kreisläufer und Captain von Wacker Thun riss sich zweimal das Kreuzband, zuerst im Training und dann im Schulsport, als er in seiner Funktion als Lehrer an der Oberstufe in Spiez den Schülern einen Trampolinsprung demonstrierte, wobei die Landung nicht ideal klappte. Jetzt hat die Verletzungshexe erneut zugeschlagen. Ein Knorpelschaden am Knie verhindert sein Mitmachen im Mannschaftstraining – die Saison 2026/27 wird wohl zum dritten Mal innert vier Jahren ohne Schwab stattfinden.
Wie ist es, einmal mehr nur Zuschauer sein zu können, an der Seitenlinie sitzen zu müssen, statt auf dem Feld dem Team zu helfen? «Früher konnte ich vor lauter Nervosität kaum auf meinem Stuhl sitzenbleiben, jetzt steht zwar mein Nervensystem während den Spielen immer noch unter Hochspannung, doch mittlerweile kann ich mit der Situation etwas besser umgehen. Ich versuche der Mannschaft in irgendeiner Art zu helfen, doch von aussen kann man wenig bis nichts zum Erfolg beitragen», sagt Yannick Schwab. «Mitfiebern, Stimmung und Emotionen ins Spiel bringen, alles tun, was ich kann», sagt Schwab, der während den Partien auf oder direkt hinter der Bank Platz nimmt, so zu einer Art zweiter Assistenztrainer wird und auch bei Auswärtsspielen immer dabei ist.
Fussball oder Handball?
Als Klein-Yannick in Oberdiessbach die Schule besuchte, spielte er nicht «nur» im Schulsport Handball, sondern auch im FC Oberdiessbach Fussball. Bald einmal musste er sich zwischen seinen zwei Lieblingssportarten entscheiden. Die Wahl fiel auf Handball, kein Wunder, spielte Onkel Markus Schwab doch vor Jahren bereits als Kreisläufer für Wacker. Ein guter Entscheid, wie die Zukunft zeigen sollte.
Zuversicht trotz allem
Obwohl er der Mannschaft auf dem Rechteck nicht helfen kann, blickt Yannick Schwab der kommenden Saison zuversichtlich entgegen. «Wir haben einige neue Gesichter, auch im Trainerstab hat es eine Änderung gegeben, wir brauchen etwas Zeit, um uns zu finden, aber ich bin zuversichtlich, dass uns dies bereits in der Vorbereitung gelingt und wir für den Saisonauftakt bereit sind. Fehlen wird der Mannschaft der Mann am Kreis, der 192 cm grosse und 105 Kilo schwere Modellathlet Yannick Schwab. «Die Aufgabe des Kreisläufers besteht darin, für die Rückraumschützen Wege frei zu sperren, Löcher zu öffnen und selbst stets anspielbar zu sein». Schwab hat in diesem Zusammenhang auch ein besonderes Lob bereit für den ehemaligen kroatischen Nationalspieler Ante Gadža, den Torschützenkönig der vergangenen Saison und besten in der Schweiz aktiven Spieler. «Er sieht das Spiel wie kein anderer, weiss genau, wann der Raum frei ist, um selbst den Abschluss zu suchen oder den Kreisläufer anzuspielen».
Kochen und Fussball schauen
Die Verletzung und die derzeit «unterrichtsfreie Zeit» (früher nannte man das Ferien…) nutzt Yannick Schwab, um zusammen mit seiner Freundin zu kochen. Bevorzugte Menus sind Älplermagronen und Lachs mit Zitronenrisotto. Auch für das Verfolgen der Fussballspiele in der Nähe und des FC Liverpool aus der Ferne gibt es immer wieder Freiräume, so besuchte er beispielsweise jüngst auch das Champions League-Qualifikationsspiel der 2. Runde des FC Thun gegen Dinamo Zagreb live im Visana Stadion.
Die ersten drei der von den Ärzten auf zwölf Monate prognostizierten Verletzungspause hat Schwab bereits hinter sich, es bleibt die Möglichkeit auf ein Comeback Ende Saison. «Läuft die Rehabilitation nach Wunsch, gibt es vielleicht die Chance, Ende Saison noch das eine oder andere Spiel zu bestreiten, besteht die leise Hoffnung auf ein Comeback noch in der Saison 2026/27. Nach dieser Spielzeit läuft Schwabs Vertrag aus. Ist er der nächste Wacker-Spieler, der nach Ablauf des Vertrags den lukrativen Weg ins Ausland sucht, wie dies beispielsweise die ehemaligen Leistungsträger Lukas Deschwanden oder Lenny Rubin taten? «Ich hatte diesen Traum immer und habe ihn immer noch irgendwo im Hinterkopf, aber aufgrund der Verletzungen steht dies nicht mehr im Vordergrund. Doch der Traum lebt weiter.»
Nino Gruber neuer Captain
Wegen dem Ausfall Yannick Schwabs galt es bei Trainingsbeginn auch einen Nachfolger als neuen Captain zu bestimmen. Die Wahl fiel auf Nino Gruber, den linken Flügel, der wie Schwab seine Lehrjahre beim TV Steffisburg absolviert hat. Die Ruhe, die Schwab auf dem Feld ausstrahlt, seine Art, den Mitspielern die Hektik wegzunehmen, wird dem Team fehlen. Doch Schwab will dies nicht allzu hoch gewichten. «Wacker ist als Team stark, der Zusammenhalt stimmt, der Wille, gemeinsam etwas zu erreichen, ist vorhanden. Ich sehe der Saison zuversichtlich entgegen, auch das Trainerteam ist gut aufgestellt und der neue Coach Oscar Carreño wird, unterstützt vom bisherigen Cheftrainer Remo Badertscher, bestimmt neue Ideen einbringen.»
Pierre Benoit
Yannick Schwab wurde am 25. September 2000 geboren. Seine Handballkarriere begann im Schulsport in Oberdiessbach, wo er auch Fussball spielte. Über den TV Steffisburg (Nachwuchs U13), U15 Regio, Wacker Thun (U19) und TV Steffisburg (Nationalliga B) führte sein Weg zurück zu Wacker Thun, wo er seit 2020 als Kreisläufer in der 1. Mannschaft spielt. Sein Vertrag läuft bis 2027. Er hat für die Nationalmannschaft bisher drei Spiele bestritten.





