Nico Maier: Wieder eine Thuner Trouvaille?
23.07.2026 Sport-ReportagenSpätestens seit dem Aufstieg und dem folgenden Meistertitel ist weitherum bekannt, dass Thuns Sportchef Dominik Albrecht in Zusammenarbeit mit Präsident Andres Gerber ein goldenes Händchen hat, was Transfers betrifft. Immer wieder holt der Schweizer-Meister Spieler, die in ihrer Karriere gebremst wurden, sei dies aufgrund von Verletzungen oder weil sie in einem Klub ihr vorhandenes Können nicht voll entfalten konnten. Jüngstes Beispiel: Nico Maier. Albrecht hat das Auge zu erkennen, welche Spieler ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben und holt sie nach Thun, wo es in einer familiären Atmosphäre leichter ist, mit dem Vertrauen der sportlichen Führung rasch zur Höchstleistung zu finden als beispielsweise beim FC Basel 1894 oder beim FC Zürich, wo der Druck um einiges grösser ist als im Oberland.
Elmin Rastoder und Ethan Meichtry haben nach dem Titelgewinn den Sprung ins Ausland geschafft, ein Weg, der durchaus auch Nico Maier zuzutrauen ist. Nach dem fulminanten Aufstieg und dem Einstand im YB-Fanionteam vor fünf Jahren geriet die Karriere des talentierten Offensivspielers wegen Verletzungen ins Stocken. Während seine damaligen Kollegen aus der YB-U21, Fabian Rieder, Sandro Lauper, Mohamed Camara, Jan Kronig, Joël Schmid, Ulisses Garcia, Jordan Lotomba, Levin Blum, Michel Aebischer und Felix Mambimbi durchstarteten, ging Maiers Weg in die Challenge League zum FC Wil und danach in die österreichische Bundesliga zu Blau-Weiss Linz, wo auch er den Abstieg in der letzten Saison nicht verhindern konnte. Nun soll, wie viele andere vor ihm, Nico Maier beim FC Thun neuen Schwung holen.
Lieber beim Schweizer-Meister als in der 2. österreichischen Bundesliga spielen. Wie kam Ihr Wechsel zum FC Thun zustande?
Es freut mich extrem, dass ich in der Schweiz, in meinem Umfeld und daheim zurück sein kann und dies erst noch beim Schweizer-Meister, beim FC Thun. Ich wollte schon immer gerne einmal beim FC Thun spielen, ich nehme diese Aufgabe sehr gerne in Angriff. Das bedeutet für mich einen Erfolg.
Bei meinem Transfer ging alles ziemlich schnell, der FC Thun kam auf mich zu und für mich war schon nach dem ersten Gespräch sofort klar, dass ich diese Herausforderung annehmen und das machen will. Es war immer mein Wunsch, hier zu spielen, deshalb zögerte ich auch nicht lange, das Angebot anzunehmen.
Sportchef Dominik Albrecht sind in den letzten Jahren einige beachtenswerte Transfers gelungen. Spieler, die eine neue Herausforderung suchten, starteten beim FC Thun durch. Sie befinden sich nach dem Abstieg von Blau-Weiss Linz in einer ähnlichen Lage. Was erwarten Sie von der kommenden Saison?
Man hat gesehen welche Abgänge der FC Thun hatte. Bertone, Meichtry, Rastoder, drei wichtige Stützen der letzten Saison, die gehen durften und einen nächsten Schritt machen konnten. Es ist sehr beeindruckend, dass Thun Spieler holt und auf ein neues Level bringt. Dies ist auch das, was ich mir wünsche, für mich ist es ein Ziel, beim FC Thun so gut wie möglich zu spielen, der Mannschaft zu helfen und Spass zu haben und für mich persönlich auf ein neues Niveau zu kommen.
Wie sind Sie im Verein aufgenommen worden? Thun gilt bekanntlich als die Wohlfühloase im Schweizer Spitzenfussball.
Ich bin top aufgenommen worden, es gab gar keine Probleme. Ich bin ins Trainingslager nachgereist. Die Stimmung war sehr entspannt, es war alles sehr familiär, ich habe mich gut eingelebt.
Erinnern Sie sich an den 8. November 2021? (Denkt nach).
Sie spielten damals mit YB in der Champions League gegen Manchester United. Drei Minuten vor Schluss wurden Sie für Meschack Elia eingewechselt. Jetzt winkt in Thun wieder die Champions League. Mit welchen Erinnerungen blicken Sie zurück auf diese Partie und wie gross ist die Freude jetzt wieder die Chance zu erhalten, in der Königsklasse spielen zu können?
Ah, ja, mit YB Champions League. Hier zu spielen ist für jeden Fussballer das Grösste, das sind schöne Erinnerungen an diese Zeit und diesen Tag. Ich werde das nie vergessen. Es ist sehr speziell und deshalb freut es mich riesig, dass wir wieder europäische Spiele haben und auf der grossen Bühne spielen dürfen. Wir werden alles geben, damit es so weit wie möglich reicht und dann werden wir sehen, wo wir hinkommen. Auf jeden Fall verspüre ich eine riesige Vorfreude.
Als Sie 2021 auf dem Letzigrund gegen den FCZ ihren ersten Auftritt in der Super League hatten, wurden Sie mit Komplimenten überhäuft und standen eine Woche später gegen Sion gleich in der Startaufstellung. Nach 63 Minuten zwang Sie eine Adduktorenverletzung zur Auswechslung. Ihr Ersatz war Miralem Sulejmani, den Sie als ihr Vorbild bezeichnen. Was haben Sie von diesem fantastischen Fussballer gelernt?
Sulajmani war immer ein Vorbild für mich. Als ich erstmals in die 1. Mannschaft kam, beeindruckte er mich stark, weil er nicht nur fussballerisch sondern auch menschlich auf einem Top-Niveau war. Er unterstützte die Jungen immer, was nicht selbstverständlich ist, hat immer zugehört und hatte stets einen Tip bereit. Über seinen linken Fuss müssen wir uns nicht unterhalten, der ist magisch. Aber für mich noch beeindruckender ist seine menschliche Art.
Ihr damaliger Trainer Gerardo Seoane war des Lobes voll über Sie. «Schade, dass sich Nico verletzt hat. Gerne hätte ich ihm weitere Einsätze ermöglicht. Doch er ist auf dem richtigen Weg. Er muss noch etwas kräftiger werden und an der Defensive arbeiten, aber er weiss mit dem Ball etwas anzufangen und hat grosses Selbstvertrauen», meinte der YB-Trainer nach ihren ersten Einsätzen im YB-Fanionteam. Sind Sie in der Zwischenzeit kräftiger und defensiv stärker geworden?
Seoane hatte sicher recht. Das waren Punkte, in denen ich mich verbessern musste, was ich getan habe. Das hat mich auch weitergebracht.
Sie sind erblich belastet. Ihr Vater Daniel spielte in den Achtzigerjahren bei YB in der 1. Mannschaft, auch ihr Bruder Dino ist aktiver Fussballer und spielt in der 3. Liga beim FC Belp. Wie hat ihr Vater reagiert, dass Sie jetzt zu einem YB-Rivalen wechseln?
Mein Vater und die ganze Familie freuten sich, denn ich habe jetzt drei Jahre in Wil und dann ein Jahr in Österreich gespielt Sie sind froh, dass ich jetzt wieder in der Umgebung bin und sie statt acht oder neun Stunden nur noch 20 Minuten fahren müssen, um ein Spiel von mir zu sehen. Der ganzen Familie war der FC Thun schon immer sympathisch, es herrschte nach meinem Wechsel eine grosse Freude.
Wie verfolgen Sie die WM? Ihr Vorbild, Lionel Messi, schiesst auch im hohen Alter noch Tor um Tor.
Ich verfolge die WM nahe, auch wenn es schwierig ist, alle Partien zu schauen. Wenn ich kann, schaue ich möglichst viele Spiele. Ich verfolge vor allem die Schweiz und Argentinien. Auch Deutschland habe ich geschaut, aber da ist es leider vorbei. Messi macht es immer noch nicht schlecht in seinem Alter. Ich bin gespannt, was noch passieren wird.
Pierre Benoit
Nico Maier wurde am 2. Juli 2000 in Bern geboren. Er spielte bis 2011 bei den Junioren des FC Belp und ab 2011 durchlief er sämtliche Altersstufen der YB Youth Base. 2021 gab er sein Debut in der Super League. 2022 – 2025 in der Challenge League beim FC Wil, 2025/26 bei Blau-Weiss Linz in der Österreichischen Bundesliga. Seit 2026 beim FC Thun, sein Vertrag läuft bis 2028. Er bestritt ein Spiel für die U15 der Schweiz (1 Tor/1Assist).



