«Nirgends ist das Umfeld besser als beim FC Thun»

  23.07.2026 Sport-Reportagen

Seriös, ruhig, bescheiden, aber ehrgeizig und ambitioniert, so steigt Titelverteidiger FC Thun in die neue Saison. Es warten schwierige Aufgaben auf die Mannschaft, auf internationalem Parkett und in der nationalen Meisterschaft, wo die Oberländer damit leben müssen, dass sie nun l’équipe à battre sind, das Team, das jeder Gegner schlagen will. Doch das ändert nichts an den hohen Ambitionen.

Ein Platz in der Meisterrunde ist vorerst das Ziel. Das war in der vergangenen Saison nicht anders, doch nach Neujahr wurden die Vorgaben nach oben korrigiert. Zu Recht, wie der weitere Verlauf der Meisterschaft zeigte… Nun ist alles anders und doch bleibt vieles beim Alten. Mit Gian-Luca Privitelli steht ein neuer Mann an der Seitenlinie, der in die tiefen Fussstapfen Mauro Lustrinellis tritt. Mit Leonardo Bertone, Elmin Rastoder und Ethan Meichtry haben drei Schlüsselspieler den Klub verlassen. Mit dem ehemaligen YB-Verteidiger Nicolas Bürgy, der bereits in der Saison 2017/18 kurzzeitig beim FC Thun und zuletzt bei Viborg FF in der dänischen Superliga spielte, stösst ein Innenverteidiger zum FC Thun. Das Kader erweitert hat Thun auch mit Nico Maier, er ebenso ein ehemaliger YB-Spieler, zuletzt bei Blau-Weiss Linz in der österreichischen Bundesliga, und Simon Lengen, auch er mit YB-Vergangenheit und in der letzten Saison in der Thuner U21-Equipe mit 30 Toren Torschützenkönig der gesamten 2. Liga interregional, der Harry Kane des Berner Oberlands. Mit Dorian Derbaci hat der FC Thun zudem einen Mittelfeldspieler aus den Reihen des FC Aarau verpflichtet.

Vieles bleibt gleich
Was sich trotz Wechseln auf der Position des Trainers und einigen Abgängen und Zuzügen nicht ändern wird, ist die Einstellung und die Spielweise, die den FC Thun seit einigen Jahren prägen. «Wir wollen uns jeden Tag um ein paar Promille verbessern, wir wollen die Werte, diese Energie, die den FC Thun seit Jahren stark machen, weiterleben und die jungen Menschen weiterbringen», sagt Neu-Trainer Gian-Luca Privitelli im Gespräch mit dem Thuner Amtsanzeiger. «Ich bin kein Lustri», beantwortet Privitelli die Frage, wieviel Lustrinelli noch im neuen FC Thun stecke. «Aber einige Sachen werden sehr ähnlich sein. Wir haben beide einen engen Bezug zur Region und auch in spielerischer Hinsicht ähnliche Gedanken. Wir wollen ein hohes Pressing betreiben, unser Spiel nicht dem Gegner anpassen, nach Ballgewinn sofort umschalten und mit hoher Intensität agieren und mit vertikalem Spiel versuchen, hinter die Abwehrkette des Gegners zu gelangen.» Das alles sind Vorsätze, die sich nicht gross von den Spielideen der letzten Jahre unterscheiden. Ich kann mich voll und ganz mit den Werten und der Ausrichtung des FC Thun identifizieren. Gemeinsam wollen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weiterführen, unsere Spielphilosophie weiterentwickeln und den Verein nachhaltig voranbringen. Nirgends ist das Umfeld besser als beim FC Thun.»

«Sowohl als auch»
Selbstverständlich wollen wir von Gian-Luca Privitelli auch wissen, wie sein Engagement zustande gekommen ist. War er überrascht über die Anfrage oder hat er nach dem Abgang Mauro Lustrinellis zu Union Berlin erwartet, dass der FC Thun auf ihn zukomme und ein Angebot unterbreiten werde? «Sowohl als auch», antwortet Privitelli. «Zuerst habe ich wirklich nicht damit gerechnet, dass Lustrinelli nach dieser märchenhaften Geschichte, die er in den letzten vier Jahren geschrieben hat, Thun verlässt. Dass dann alles so schnell auf mich zukam, ist ein bisschen surreal, doch ich war in den letzten Jahren in ständigem Kontakt mit den Thuner Verantwortlichen und als Lustrinellis Abgang feststand, war es logisch, dass ich im nicht sehr breiten Kandidatenfeld der Thuner Aufnahme fand.» Dass die Wahl von Präsident Andres Gerber und Sportchef Dominik Albrecht auf Privitelli fiel, ist kein Zufall und entspricht zu 100 Prozent den Werten, die im FCT seit der Amtsübernahme Gerbers hochgehalten werden. Mit der Verpflichtung setzt der FC Thun bewusst auf einen Trainer, der mit den Strukturen, Werten und der Spielphilosophie des Vereins bestens vertraut ist und sich vollständig damit identifiziert. Seine grosse Expertise in der Ausbildung und Entwicklung junger Spieler und seine Teamfähigkeit entsprechen dem eingeschlagenen Weg des Clubs. Präsident Andres Gerber freut sich auf die Zusammenarbeit: «Mit Gian-Luca kehrt ein Freund zum FC Thun zurück. Er passt menschlich und fachlich perfekt ins Profil. Wir freuen uns darauf, die kommenden Herausforderungen gemeinsam mit ihm und dem eingespielten Trainerstab anzupacken.» Ähnlich äusserte sich Sportchef Dominik Albrecht. «Mit Luca Privitelli haben wir unseren absoluten Wunschkandidaten gefunden, um den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Er kann junge Spieler hervorragend entwickeln, steht für einen offensiven und intensiven Fussball und kennt unsere Strukturen und Arbeitsweisen bereits.»

Zuerst Dinamo Zagreb
Vorgestern begann für den FC Thun im Visana Stadion nach verschiedenen Testspielen der Ernst des Lebens. Gegen Dinamo Zagreb stand das erste Spiel der zweiten Qualifikationsrunde für die Champions League auf dem Programm, nächsten Dienstag folgt das Rückspiel im Stadion Maksimir. Dort wird sich zeigen, ob der Champions League-Traum weitergeht oder ob in der Europa League ein nächster Versuch gestartet wird. Übermorgen Samstag erfolgt mit dem Auswärtsspiel beim FC Luzern auch der Start zur Meisterschaft. P

Pierre Benoit


Gian-Luca Privitelli wurde an 4. März 1978 geboren. Seine Trainerkarriere begann 2007 – 2012 beim FC Diessbach. Weitere Stationen waren der SV Lyss (2012 – 2014), der FC Breitenrain in der Promotion League (2016 – 2018), der Nachwuchs des FC Thun (2018 – 2021), der FC Basel 1893 als Ausbildungschef und Trainer der U19 und U21 (2022 – 2024) und das U20-Nationalteam des Schweizerischen Fussballverbands von 2023 – 2026. Seit 2026 mit einem Dreijahres-Vertrag Cheftrainer beim FC Thun.


Das Kader des FC Thun

Torhüter:
Tim Spycher
Niklas Steffen
Leo Stucki
Dario Wälti

Verteidiger:
Ashvin Balaruban
Jan Bamert
Marco Bürki
Nicolas Bürgy
Lucien Dähler
Fabio Fehr
Michael Heule
Genis Montolio

Mittelfeldspieler:
Dorian Derbaci
Adam Ilic
Mattias Käit
Nico Maier
Valmir Matoshi
Nils Reichmuth
Justin Roth
Mathias Tomas
Nassim Zoukit

Stürmer:
Furkan Dursun
Marc Gutbub
Christopher Ibayi
Brighton Labeau
Simon Lengen
Leyton Stewart

Sportchef:
Dominik Albrecht

Trainer:
Gian-Luca Privitelli

Assistenztrainer:
Luca Ferreira
Yves Zahnd

Torhütertrainer:
Patrick Bettoni

Konditionstrainer:
Pi Zürcher
Christoph Tebel


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