PingPongParkinson jetzt auch in Thun

  20.08.2026 Sport-Reportagen

Parkinson ist eine neurodegenerative Krankheit, die zwar noch nicht geheilt, aber deren Verlauf mit entsprechenden Therapien verlangsamt werden kann. Wichtig ist für die Betroffenen vor allem die regelmässige Bewegung, mit der die motorischen Fähigkeiten verbessert, das Gleichgewicht gestärkt und das Selbstvertrauen gesteigert werden kann. Genau diese Beweglichkeit können an Parkinson erkrankte Personen seit Mitte August im wöchentlichen PingPong-Training fördern

Eugen Merz ist der Mann, der es möglich macht, dass für Parkinson-Patienten aus dem Oberland die Anreise jetzt kürzer und damit auch unkomplizierter wird. Zu den Zentren in Bern, Kirchberg und Gümligen hat Merz, der auch Präsident von PingPong Parkinson Schweiz ist, das Center in Thun eröffnet, wo in Zusammenarbeit mit dem Tischtennisclub Thun jetzt jede Woche ein 90-minütiges Training stattfindet. Beim ersten Zusammentreffen fanden zehn Interessierte den Weg ins Oberstufenschulhaus Strättligen und zeigten bei drückender Hitze, dass sie trotz ihrer Behinderung mit Freude dabei sind und viel Spass haben. Nach einem Aufwärmen wurde an der Platte gespielt, aber es wurden auch spezielle Schläge unter der kundigen Anleitung der beiden Betreuer Eugen und Lukas eingeübt. Das unterschiedliche Spielniveau spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Die einen nahmen schon verschiedentlich an den in jedem Jahr durchgeführten Welt- und Europameisterschaften teil, die anderen sind technisch noch auf einem tieferen Niveau, doch das tut der Freude am Spiel keinen Abbruch. «Wir sind schon verschiedentlich mit Medaillen von diesen Meisterschaften zurückgekehrt, darunter auch einige Goldene», erzählt Eugen Merz, der die rund 30-köpfigen Schweizer Delegationen jeweils begleitet, nicht ohne Stolz. Thomas Schlup, der bereits im Alter von 40 Jahren erste Parkinson-Symptome aufwies, war in den letzten Jahren stets dabei. «Mein Ziel ist es immer, die Hauptrunde zu erreichen, das ist mir bereits einmal gelungen», berichtet er mit einem Strahlen. Schlup, der als Finanzchef auch im Vorstand von PingPongParkinson Schweiz sitzt, ist immer dabei, wenn in der Umgebung Tischtennis gespielt wird. «Seit fünf Jahren spiele ich regelmässig PingPong und bin überzeugt, dass diese Bewegungen für mich wertvoll sind. Ich kann dadurch das Gleichgeweicht stabilisieren, den Prozess der Krankheit verlangsamen und mich mit Gleichgesinnten treffen.» Sagt es und nimmt schon wieder den Schläger zur Hand, um an den nächsten Weltmeisterschaften in Hannover wie damals in Pula (Kroatien), Berlin, Wels (Ö), Lignano (It) erneut um den Einzug in die Hauptrunde zu kämpfen. Besonders viel haben sich die Schweizerinnen und Schweizer für die WM 2027 vorgenommen, wenn diese im eigenen Land, vom 12. bis 17. Oktober 2027 in Magglingen, stattfindet.

Vor zwei Jahren gegründet
Parkinson-Betroffene spielten zwar schon früher Tischtennis, doch der Schweizer Verband PiggPongParkinson wurde erst vor zwei Jahren dank der Initiative von Eugen Merz gegründet. Neben seiner Tätigkeit als Präsident und Trainer der Vereinigung bildet er auch Tischtennis-Nachwuchs in der Region aus und weiht sie in die Geheimnisse dieser faszinierenden Sportart ein.
«In der Schweiz gibt es nach Schätzungen rund 30 000 Menschen, die von Parkinson betroffen sind, vorwiegend Männer in fortgeschrittenem Alter, doch auch jüngere ab 40 Jahren und Frauen zählen dazu. PingPong ist neben den gängigen Therapien, beispielsweise Physiotherapie, ein ergänzendes Training, das hilft, das Gleichgewicht zu fördern und die Feinmotorik zu verbessern. Nicht unterschätzt werden darf auch die Tatsache, dass an diesen Trainings soziale Kontakte entstehen. Dies ist besonders wichtig, weil bei Betroffenen die Gefahr besteht, dass sie sich in die Einsamkeit zurückziehen, sich weniger bewegen und die Öffentlichkeit meiden», sagt Eugen Merz.

Immer Neues üben
In den Trainings kann der Besucher sehen, dass keine Eintönigkeit Einzug hält. Immer wieder streuen die beiden Leiter neue Übungen ein, perfektionieren die Grundschläge und stellen fest, dass die Anwesenden laufend Fortschritte erzielen. Die Konkurrenz aus dem Ausland muss sich vorsehen – in Hannover zählen die Schweizerinnen und Schweizer wiederum zu den Medaillenanwärtern.

Church Montain Open
Das Church Mountain Open (Church Mountain steht für Kirchberg) findet in jedem Jahr auf Merz’ Initiative statt. Letztmals Ende Juni und auch hier zeichneten sich die Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Bei den Frauen und den Herren 2 gab es eine Silbermedaille, bei den Herren 3 gar einen dreifachen Schweizer Erfolg. Die Teilnehmenden werden aufgrund ihrer Behinderung in verschiedene Kategorien eingeteilt.
Eugen Merz ist in ständigem Kontakt mit Neurologen und Physiotherapeuten, um den Krankheitsverlauf seiner Schützlinge zu kennen und vor allem über neu zugewiesene PingPong-Interessierte Informationen zu sammeln. «Für mich ist diese Tätigkeit kein Beruf, sondern eine Berufung». Er betreut nicht nur Parkinson-Betroffene, sondern auch Personen, die an neurologischen Krankheiten leiden, beispielsweise nach einem Hirnschlag.

Pierre Benoit


Was ist Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung des Gehirns und nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Schweiz sind schätzungsweise mindestens 30 000 Menschen betroffen, mit steigender Tendenz. Die Erkrankung tritt meist im höheren Erwachsenenalter auf, häufig ab dem 60. Lebensjahr. Etwa zehn Prozent der Betroffenen erkranken jedoch bereits vor dem 50. Lebensjahr, selten auch deutlich früher. Insgesamt sind mehr Männer als Frauen betroffen, die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Parkinson wird häufig mit Zittern in Verbindung gebracht, doch die Erkrankung umfasst weit mehr als dieses einzelne Symptom. Typisch sind vor allem eine Verlangsamung von Bewegungen, eine ausgeprägte Muskelsteifheit sowie ein Zittern der Hände oder Füsse in Ruhe. Im weiteren Verlauf können auch Gleichgewichtsstörungen hinzukommen. Darüber hinaus treten bei vielen Betroffenen bereits früh im Krankheitsverlauf sogenannte nicht-motorische Symptome auf.


Warum PingPongParkinson®?
Parkinson bringt nicht nur physische, sondern auch emotionale und soziale Herausforderungen mit sich. PingPongParkinson® setzt sich dafür ein, diesen Kampf auf eine innovative und lebensbejahende Weise anzugehen. PingPongParkinson® ist mehr als Sport – es ist eine Gemeinschaft. Hier finden Betroffene Unterstützung, Verständnis und vor allem Freude am gemeinsamen Spiel und der Bewegung.

Wer ist PingPongParkinson® Schweiz?
Der Verein PingPongParkinson® Schweiz ist eine Organisation, die parkinsonbetroffenen Menschen in der Schweiz den Zugang zum Tischtennistraining ermöglicht. Der Fokus der Vereinsarbeit liegt auf der Organisation von Trainings, Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Zusammenarbeit mit Fachgruppen, Netzwerkbildung, Schaffung einer unterstützenden Gemeinschaft, Bereitstellung einer Informationsplattform und Organisation von Anlässen, Turnieren und Ausbildungsangeboten.

 


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