Schule und Spitzensport: für Alain Graf kein Problem
29.10.2026 Sport-ReportagenDragon Thun, die Nachwuchs-Organisation des in der MyHockey League, der dritthöchsten Spielklasse im Schweizer Eishockey engagierten EHC Thun, ist ein exzellenter Ausbildungsklub und fleissiger Zulieferant von Spielern mit viel Potenzial an die Vereine der National League. Einer unter ihnen ist der 21-jährige SCB-Stürmer Alain Graf.
Doch Graf ist beileibe nicht der Einzige, der in den letzten Jahren von Thun aus zu einer beachtlichen Karriere gestartet ist. Levin Moser, ebenfalls beim SCB unter Vertrag und derzeit an den EHC Olten ausgeliehen, stand letzte Saison in über 30 Spielen für den SCB in der National League im Line-up und absolvierte diverse Einsätze für Schweizer Nachwuchs-Auswahlen, er durchlief die Dragon-Nahwuchsabteilung gemeinsam mit Graf. Auch Cédric Aeschbach (EHC Biel, früher SCL Tigers und EHC Basel), Keijo Weibel (EHC Kloten, früher SCL Tigers), Stefan Rüegsegger (HC Lausanne, früher SCL Tigers und HC La Chaux-de-Fonds) und Joshua Fahrni, (ZSC Lions, früher SCB und SCL Tigers) haben ihre Karriere bei den Dragons gestartet.
EHC-Thun-Präsident Alex Reymondin ist denn auch zu Recht stolz auf die Arbeit, die bei den Dragons von den Trainern geleistet wird, kein Wunder deshalb auch, dass Gregory Zehnder, der Nachfolger des zu SCB Future abgewanderten langjährigen Headcoachs Daniel Steiner, zum neuen Cheftrainer des Fanionteams des EHC Thun gewählt wurde.
Alain Graf: blutjung und bereits Leader
Wer sich mit Alain Graf unterhält, dem SCB-Mittelstürmer, der seit seiner Jugend in jedem Team, in dem er aktiv ist, ein Leader und stets Captain war, erhält bestätigt, was Alex Reymondin über seinen ehemaligen Junioren zu berichten weiss. «Er ist auf und neben dem Eis hochintelligent, ein Teamplayer, dem das Wohl der ganzen Mannschaft wichtiger ist als seine persönliche Bilanz in der Skorerliste, der weiss, was er will, ein ruhiger Spieler, der in jedem Team viel dazu beiträgt, dass die Stimmung gut ist», so Alex Reymondin, der seit Grafs Beginn bei den Dragons im Jahr 2017 dessen Werdegang eng mitverfolgt.
Seit sechs Jahren trägt Alain Graf nun das Dress des SCB, ein logischer Schritt für einen talentierten Dragon-Junior, denn für die MyHockey League war er bereits zu stark. Nachdem er in der Saison 2023/24 bei den SCB-U20-Elit-Junioren mehr Skorerpunkte verbuchte als er Spiele bestritt, war klar, dass er den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen würde.
Das Debut 2024
Bereits bei seinem Einstand im Fanionteam zu Beginn der Saison 2024/25 war offensichtlich, dass der SCB mit dem Thuner wieder einmal einen jungen Spieler der Dragons weiter ausgebildet hatte, der zu mehr fähig war, als nur Ergänzungsspieler zu sein. Auch aufgrund zahlreicher Verletzungen von Schlüsselspielern erhielt Alain Graf in der vergangenen Spielzeit trotz seinem zarten Alter viel Verantwortung. Er bekam viel Eiszeit und stand bei wichtigen Bullys auf dem Eis. «Es mag komisch tönen, doch ich profitierte in der letzten Saison von den zahlreichen verletzten Spielern. Jetzt ist die Konkurrenz wieder grösser. Mit meinen Leistungen in der laufenden Saison bin ich noch nicht zufrieden, ich bin etwas verkrampft und hoffe, dass sich dies bald ändert», sagt der ehemalige Dragon-Junior.
Beginn mit Schwester Desirée
Begonnen hat Alain Grafs Eishockey-Karriere als Dreikäsehoch im Thuner Grabengut. Er erinnert sich: «Meine Eltern konnten nicht Schlittschuhlaufen, deshalb hatten sie den Wunsch, dass meine Schwester und ich uns auf dem Eis versuchten. Als ich dreieinhalb Jahre alt war, besuchten wir einen Eislaufkurs, bei dem ich noch oft auf dem Hintern landete. Doch schon bald durfte ich bei den Buben, die auf dem Nebenfeld Eishockey spielten, mitmachen. Spätestens nach einem einwöchigen Fussballcamp in Allmendingen war mir klar, dass ich Eishockeyspieler werden wollte, ich fand Fussball weniger spannend als Eishockey.» So führte sein Weg schon bald einmal in die Nachwuchsabteilung des EHC Thun, den Dragons, denen auch die Vereine EHC Wiki, HC Mühlethurnen und SC Freimettigen angeschlossen sind. Dort zählte er rasch zu den Besten, wurde zusammen mit seinem Teamkollegen Levin Moser in eine Auswahl selektioniert, die in Quebec an der inoffiziellen U13-Weltmeisterschaft teilnahm.
Schule und Sport
Doch der schlaue Nachwuchsspieler legte nicht nur Wert auf seine sportliche Entwicklung, sondern glänzte auch in der Schule mit ausserordentlich guten Leistungen. In Thun absolvierte er die K+S (Kunst- und Sportklassen), anschliessend schloss er das Feusi Bildungszentrum mit der Matura ab. «Ich brachte Sport und Schule problemlos unter einen Hut – in der Feusi erhielt ich genügend Freiraum, um alle Trainings besuchen zu können. Das Nachholen des Stoffs der verpassten Lektionen bereitete mir keine Mühe.»
Die fehlende Konstanz
Noch ist die Saison jung, doch der SCB hat in den ersten Begegnungen bereits zwei Gesichter gezeigt: das Strahlende im Heimspiel gegen den HC Davos, ein weniger Glückliches beispielsweise gegen den HC Ajoie. «Uns fehlt noch die Konstanz. Von Spiel zu Spiel und auch innerhalb einer Partie gibt es zu viele schwache Momente, die auf eine gute Phase folgen», beantwortet Alain Graf die entsprechende Frage, verliert die Zuversicht aber trotzdem nicht. «Wir haben ein Riesenpotenzial und zuletzt aufsteigende Tendenz gezeigt. Sind wir einmal konstant, traue ich uns einiges zu. Minimalziel ist ein Platz in den Playoffs. Sind wir dort angekommen, ist alles möglich – auch der Meistertitel», versprüht die Nummer 43 des SCB Optimismus.
Das Captainteam
Dass er nun zusammen mit Waltteri Merelä, Benjamin Baumgartner und Marc Marchon als jüngstes Mitglied das Captainteam bildet, ist kein Zufall, sondern die Bestätigung dafür, dass Graf ein Leadertyp ist. «Für mich ist es eine grosse Ehre, als junger Profi viel Verantwortung zu übernehmen. Ich fühle mich in dieser Rolle wohl, bin ein Bindeglied zwischen Trainerstaff und Mannschaft und will mithelfen, dass der Teamgeist so ausgezeichnet bleibt, wie er derzeit ist.» Nur lobende Worte hat Graf für den neuen Coach Serge Aubin bereit. «Er ist ein cooler Typ, kann gut differenzieren, sucht das Gespräch mit jedem Spieler und weiss mit den verschiedenen Charakteren richtig umzugehen. Er versucht uns in jeder Situation zu helfen.»
Pierre Benoit
Alain Graf wurde am 7. Februar 2005 in Bern geboren. Er war Schüler der Kunst- und Sportklassen Thun und absolvierte danach im Bildungszentrum Feusi die Matura. Seine Eishockeykarriere begann im Nachwuchs der Dragon Thun. 2020 folgte der Wechsel zu SCB Future, wo er in der Saison 2023/24 in 47 Spielen 49 Skorerpunkte erreichte. Graf spielte in allen Schweizer Nachwuchs-Nationalteams und war stets Captain. Beim SCB debütierte er in der Saison 2024/25 im Fanionteam. Sein Vertrag läuft bis 2029. Zusammen mit Waltteri Merelä, Marc Marchon und Benjamin Baumgartner bildet er das Captainteam.


