Bei Thuns Frauen bleibt kein Stein auf dem andern
20.11.2025 Sport-ReportagenDrei Tage nach dem überraschenden 2:1-Sieg im Cup-Achtelfinal bei den FC Aarau Frauen und ebenso viele Tage vor dem Auswärtsspiel in der AXA Women’s Super League bei den FC Zürich Frauen platzte die Bombe. Trainer Julien Marendaz wurde zusammen mit fünf weiteren Mitarbeitenden aus dem Staff des Teams mit sofortiger Wirkung freigestellt.
Neben Marendaz traf die Reorganisation und der Neuaufbau, wie der FC Thun die Entlassungen in einer offiziellen Medienmitteilung bezeichnet, auch den Teammanager und Verantwortlichen der Aktiven, sowie den Nachwuchs-Verantwortlichen, der seit einer Ewigkeit im Frauenfussball tätig ist.
Ziel ist es, «die Frauenabteilungen weiter zu professionalisieren und noch stärker in die bestehende Infrastruktur des FC Thun zu integrieren sowie die Nachwuchsarbeit gezielt zu stärken», teilte der Klub mit.
Ein Punkt ist zu wenig
Klar ist, dass die Frauen des FC Thun, sieht man vom Vorstoss in den Cup-Viertelfinal, in dem am 13. Dezember im Wankdorf die YB Frauen Gegner sind, auch in dieser Saison enttäuschend unterwegs sind. Nach zehn Spielen steht ein einziger Punkt auf dem Konto der Thunerinnen, den sie sich mit einem Unentschieden gegen die Aarau Frauen erkämpft haben. Zwar fielen einige Niederlagen gegen deutlich höher eingestufte Gegner äusserst knapp aus, (St. Gallen 2:3, Luzern 1:2, Basel 0:1), doch der Blick auf die Tabelle zeigt, dass auch in diesem Jahr der Ligaerhalt allein über die Abstiegsrunde zu erreichen ist.
Roland Getzmann, der wieder einmal als Helfer in der Not eingesprungen war, leitete nach der Entlassung Marendaz’ das Abschlusstraining und coachte das Team in Zürich und musste mitansehen, dass den Thunerinnen noch ein langer und steiniger Weg bevorsteht, um das Abstiegsgespenst erneut zu verjagen. «Die Stimmung im Team war beim letzten Training vor dem Spiel sehr gut, die Spielerinnen waren topmotiviert und freuten sich auf den Match in Zürich. Dort begannen wir hervorragend, gingen in Führung und spielten eine sehr gute erste Halbzeit, doch nach rund einer Stunde war die Luft draussen und kassierten wir eine Niederlage, welche in dieser Höhe unverdient ist», so der Trainer, der die Thunerinnen in den beiden letzten Saisons vor dem Abstieg rettete.
Abstiegsrunde: Thuner Spezialität
Die Abstiegspoule mit den zwei Tabellenletzten der Axa Women’s Super League und den beiden Erstklassierten der Nationalliga B wird wohl auch im nächsten Jahr für die Thunerinnen nicht zu umgehen sein, es sei denn, in der zweiten Saisonhälfte erfolge eine deutliche Steigerung. Doch mit dieser Abstiegsentscheidung verbinden sie gute Erinnerungen. Ende der Saison 2022/23 gewann der FC Thun sämtliche sechs Spiele und beendete die Serie auf Platz 1 mit dem Punktemaximum von 18 Zählern. Auch im Vorjahr schwangen die Thunerinnen obenaus, verloren mit drei Siegen und drei Unentschieden ebenfalls keinen Match und retteten sich souverän.
Der Mann, der dies möglich machte, ist Roland Getzmann, der den Thuner Frauen immer wieder aus der Patsche half, wenn ein Trainer das Handtuch warf oder entlassen wurde. In der Saison 2023/24 ersetzte er Manuel Bregy, ein Jahr später Charly Grütter, jetzt sprang er ein, als Julien Marendaz nicht mehr erwünscht war. Dabei wollte Getzmann, 66-jährig und Inhaber der A-Lizenz, der die Fussballplätze im Kanton aus seiner Zeit als Aktiver und Trainer wie seine Hosentasche kennt, schon lange kürzertreten.
Pierre Benoit




