Die Frauen des FC Thun vor einer schwierigen Rückrunde
11.12.2025 Sport-ReportagenNur einen einzigen Punkt vermochten sich die Frauen des FC Thun bis zur Winterpause zu erkämpfen. Damit steht praktisch fest, dass die Thunerinnen den Ligaerhalt wie in den beiden letzten Saisons in der Abstiegspoule sicherstellen müssen. Mit einem neuen Trainer und viel Mut will das Team ab Anfang Februar die Weichen stellen, um auch in der kommenden Saison erstklassig zu spielen.
Was Roland Getzmann als Retter in der Not zuletzt zweimal schaffte, sich in der Abstiegsrunde ohne Niederlage souverän durchzusetzen, soll diesmal der neue Coach Emil Inauen schaffen. Er ersetzt nach der Entlassung von Julien Marendaz den zwischenzeitlich tätigen Jason Antille.
Shenia Schmid, der Captain des Teams, gegen den FC Basel wegen vier gelben Karten gesperrt und zum Zuschauen verurteilt, verströmt im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Meisterschaft nach der Winterpause Zuversicht. «Viele zuletzt verletzte Spielerinnen werden zurückkommen, so dass unser Kader an Breite gewinnt, dazu kommt, dass mit einem neuen Coach immer ein Ruck durch ein Team geht. Wie wichtig es ist, dass uns ein Trainer Verrauen einflösst und Mut macht, haben die beiden letzten Abstiegsrunden unter Roland Getzmann gezeigt, als wir mit grossem Willen unser Ziel erreichten.»
Niederlagen nach Führung
Die beiden letzten Meisterschaftsspiele haben die Thunerinnen verloren, obwohl sie zuerst in Führung lagen. Shenia Schmid kennt die Gründe für das Nachlassen nach der Pause. «Da ist einmal die Tatsache, dass wir nicht so breit aufgestellt sind wie die meisten anderen Teams und wir uns nach einer Führung zu sehr in die Defensive drängen lassen – ein Punkt, den wir verbessern wollen, zum anderen fehlt uns vielleicht auch die Kraft, weil wir nicht so viele Wechsel vornehmen können wie der Gegner.»
Das Highlight im Cup
Einmal vermochten die Thunerinnen spät das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden, im Cup-Achtelfinal beim FC Aarau. «Wir kassierten zwar in der Nachspielzeit noch den Ausgleich, doch in der Verlängerung gelang uns das Siegestor, weil wir diesen Erfolg unbedingt wollten und brauchten, um an Selbstvertrauen zu gewinnen.» Als Lohn für diese Leistung spielen die Thunerinnen am nächsten Samstag um 15 Uhr den Cup-Viertelfinal im Wankdorf gegen die YB Frauen.
Lange Vergangenheit bei YB
Für Thuns Captain Shenia Schmid, die viele Jahre bei den Gelb-Schwarzen verbrachte, ein spezieller Match? «Zu Beginn, nach meinem Wechsel zu Thun, war dies so, doch mittlerweile ist es gegen die YB Frauen beinahe ein Spiel wie jedes andere. Und weshalb der Wechsel von YB zum FC Thun? «Ich war bei den YB Frauen stets Stammspielerin, hatte aber nach einer Verletzung Mühe, wieder ins Team zurückzukommen. Auf der Bank sitzen wollte ich nicht, also wagte ich den Wechsel zu Thun, wo es mir ausgezeichnet gefällt», sagt Shenia Schmid.
Pierre Benoit
Emil Inauen soll es richten
Emil Innauen übernimmt ab 1. Januar 2026 die Verantwortung für die FC Thun Frauen, nachdem er zuletzt als Coach des U19-Nationalteams von Liechtenstein die EM-Qualifikation bestritt.
Gemeinsam mit ihm soll die Professionalisierung des Frauenfussballs beim FC Thun vorangetrieben und die sportliche Entwicklung gefördert werden. Der Doppelbürger (Schweiz/ Norwegen) bringt viel Erfahrung aus dem internationalen Spitzenfussball mit. Ursprünglich stammt er aus der Ostschweiz und spielte in seiner aktiven Laufbahn für den FC Appenzell, FC St. Gallen und SC Brühl St. Gallen, bevor ihn der Spitzensport nach Skandinavien führte. Während seiner Trainerlaufbahn zeichnete er beim norwegischen Erstligisten Tromsø IL für das Frauenteam verantwortlich, wo er 2023/24 die Playoff-Finals erreichte. Zudem war er neben anderen Trainerstationen bei den Frauen U21 des Rosenborg BK als Cheftrainer engagiert. Darüber hinaus war Inauen über 20 Jahre in verschiedenen Rollen im sportlichen Bereich tätig, darunter auch in einer Fussballakademie.
Inauen, Vater der Profispielerin Naina, die auch schon ein Aufgebot für das Schweizer Nationalteam erhielt, freut sich auf die Herausforderung bei den FC Thun Frauen: «Aus meinen bisherigen Tätigkeiten bringe ich viel Know-how rund um die Entwicklung des Frauen-Spitzenfussballs mit. Dieses Wissen möchte ich gezielt einbringen und die Strukturen sowie das Team weiterentwickeln.» Der 53-Jährige unterschrieb einen Vollzeit-Vertrag bis Sommer 2027. Sein in Norwegen leidenschaftlich betriebenes Steckenpferd, Schlittenhunde zu züchten, gibt Inauen vorerst auf und will sich wieder voll und ganz dem Fussball widmen. be
Shenia Schmid
wurde am 5. März 1995 in Solothurn geboren. Sie begann ihre Karriere beim FC Rüttenen, stiess anschliessend zum FFC Zuchwil 05, wechselte danach in die U18 der YB Frauen, wo sie als Captain amtete. 2012/13 debütierte sie in der ersten Mannschaft der YB Frauen. Nach der Saison 2022/23 verliess sie YB und wechselte zum FC Thun, wo sie als Captain das Team anführt. Meisterin mit den YB U18-Frauen.




