Elmin – der Zuverlässige
26.02.2026 Sport-ReportagenDer Name Elmin bedeutet auf Deutsch übersetzt «der Zuverlässige» und «der Vertrauensvolle». Elmin Rastoder, Stürmer und Aufsteiger im Dress des FC Thun, verkörpert beide Begriffe in Perfektion. Mit bisher neun Toren ist er regelmässig Torschütze, mit ein Grund, dass ihm der Trainer des Super League-Leaders, Mauro Lustrinelli, hundertprozentig vertraut, denn auf ihn und seine Tore ist Verlass. Nach 26 Runden führt der FC Thun vor dem Nachtragsspiel in Winterthur (gestern Abend nach Redaktionsschluss) mit 14 Verlustpunkten Vorsprung die Tabelle an, der erste Meistertitel in der 128-jährigen Vereinsgeschichte ist den Berner Oberländern kam mehr zu nehmen.
Grossen Anteil an der sensationell anmutenden Erfolgsgeschichte des FC Thun besitzt Elmin Rastoder, 24-jähriger Stürmer, den vor einem Jahr noch kaum jemand kannte, der sich nicht intensiv mit dem Schweizer Fussball beschäftigt. Doch einer, der um die Qualitäten Rastoders wusste, ist Dominik Albrecht, Sportchef des FC Thun, der den nordmazedonischen Internationalen aus der Anonymität der Challenge League vom FC Vaduz an den Thunersee holte. «Wir sind überzeugt, dass die Entwicklung von Elmin noch nicht abgeschlossen ist. Ich sehe in ihm Potential für eine grössere Liga im Ausland», sagt Albrecht.
Viele ehemalige Schweizer Fussball-Grössen sind verantwortlich, dass Elmin Rastoder heute einer der begehrtesten Stürmer auf Schweizer Fussballplätzen ist. Der ehemalige GC-Mittelfeldregisseur André «Bigi» Meier, Marc Schneider und Mauro Lustrinelli haben Rastoder entdeckt und gefördert und Lustrinelli war es schliesslich, der den neunfachen Saisontorschützen überzeugte, den Wechsel nach Thun zu vollziehen. «Man sah schon damals, dass Elmin aussergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Er war auf dem Feld dominant, spielintelligent und verstand es, den Ball zu erobern und zu verteidigen», blickt «Bigi» Meier auf die Zeit zurück, als Rastoder einer von 80 Kandidaten war, in den GC-Campus aufgenommen zu werden.
Das Gespräch mit Lustrinelli
«Nach dem Gespräch mit Lustrinelli war mir klar, dass ich diesen Schritt machen will und machen muss. Heute bin ich froh in Thun zu sein. Ich kann täglich vom Trainer lernen, mich verbessern, denn er war selbst ein grossartiger Stürmer, der mir beibringt, wie ich mich in Tornähe zu bewegen habe. Wichtig ist ebenso, dass ich derzeit wie alle Teamkollegen voller Selbstvertrauen bin, wir gehen jeden Match mit der Überzeugung an, gewinnen zu können. Liegen wir einmal in Rückstand, ändert dies nichts, dann unternehmen wir alles, das Spiel noch zu drehen», sagt der «Züri-Hegel», der sich in Thun pudelwohl fühlt.
Während seiner Zeit in Vaduz plagten Rastoder heftige Kopfschmerzen. Ständige Migräne und ein Augenflimmern bereiteten ihm Sorgen, bis schliesslich der Gang zu einem Augenarzt für Abhilfe sorgte. Dieser erkannte eine Schwäche auf dem linken Auge, die verantwortlich für die Kopfschmerzen war. Heute trägt Rastoder auf dem linken Auge eine Kontaktlinse, die Kopfschmerzen sind vorbei und das gegnerische Tor sieht der Goalgetter offensichtlich auch wieder perfekt.
Der Teamgeist und der Zusammenhalt
Fragt man Elmin Rastoder nach dem Geheimnis des Thuner Erfolgs, das längst kein Geheimnis mehr ist, sagt der Shooting-Star: «Der Teamspirit, der Zusammenhalt und die Mischung – es stimmt alles, ich fühle mich hervorragend in dieser Mannschaft. Jeder glaubt an den anderen, was sich positiv auf unser Spiel auswirkt, dazu kommen die Fans, die uns grossartig unterstützen und der Staff, der jeden Tag sehr viel von uns verlangt.»
Vor schönen Zeiten
Auf Elmin Rastoder warten schöne Zeiten. Mit dem FC Thun wird er schon bald den Meistertitel feiern können, mit Nordmazedoniens Nationalmannschaft stehen in der Nations League zwei Spiele gegen die Schweiz, am 26. September in Skopje und am 6. Oktober in der Schweiz, auf dem Programm. Nordmazedonien spielt ausserdem im März in den WM-Playoffs gegen Dänemark. Sollte das Team dieses Duell gewinnen, trifft es auf den Sieger des Duells Tschechien – Irland. Der Sieger dieser Partie fährt im Sommer an die WM.
Dem neuen Nationaltrainer Nordmazedoniens, Goce Sedloski, der für sein Land 100 Länderspiele absolvierte und den Grossteil seiner Karriere bei Hajduk Split und Dinamo Zagreb verbrachte, wird sicher bekannt sein, dass in der Schweiz ein gefährlicher Stürmer auf dem Weg ist, seine Karriere mit einem Meistertitel zu verschönern. «Die Vorfreude auf die Begegnungen gegen die Schweiz ist riesig, meine ganze Familie ist schon jetzt voller Erwartungen», sagt Rastoder. Momentan belegt Nordmazedonien Rang 49 in der FIFA-Weltrangliste, die Tendenz zeigt nach oben.
Der Rote Platz
Wer vom Roten Platz spricht, denkt logischerweise zuerst an Moskau, an das Wahrzeichen der Stadt, das sich entlang der Kreml-Mauer auf 330 Metern Länge erstreckt. Doch für einmal soll hier nicht die Rede von der russischen Metropole sein, sondern vom Roten Platz in Rüti im Zürcher Oberland, wo Klein-Elmin tagelang dem Ball hinterherjagte, bis ihn seine Mutter zum Abendessen rief. Diese technische Fertigkeit mit dem Ball, die ihn heute auszeichnet, verdankt Rastoder seiner unermüdlichen Freude am Spiel, die ihn bereits als kleiner Bub prägte. Tricks, wie beispielsweise vor dem 3:1 Fabio Fehrs gegen GC, gingen um die Welt. Gerade dieser Thuner Treffer war Beispiel für die Stimmung im Thuner Team. Rastoder hätte gut und gerne selbst den Abschluss suchen können, doch uneigennützig bediente er seinen Kameraden, dessen Schussposition noch besser war. Beim FC Thun zählt nicht der Einzelne, sondern die Mannschaft.
Pierre Benoit
Elmin Rastoder wurde am 7. Oktober 2001 in Wetzikon geboren. Er begann seine Karriere beim FC Rüti, spielte danach für den FC Rapperswil und wechselte 2018 in den Nachwuchs von GC. 2022 folgte der Wechsel zum FC Vaduz, seit der Saison 2024/25 trägt er die Farben des FC Thun. Aufstieg mit dem FC Thun 2024/25. Vertrag bis 2028. Nationalspieler von Nordmazedonien (5 Spiele).


