«Ich möchte gerne noch einmal mit meinem Bruder spielen»
02.05.2024 Sport-ReportagenMarco Bürki, Captain und Innenverteidiger, träumt derzeit wie seine Mannschaftskollegen, Trainer und Anhänger des FC Thun Berner Oberland von der Rückkehr in die Super League. Seit dem Abstieg vor vier Jahren standen die Aussichten noch nie so gut wie in dieser Saison. Die Berechtigung zur Teilnahme an den Barrage-Spielen gegen den Zweitletzten der obersten Spielklasse ist den Thunern schon sicher, läuft alles rund und nach dem Willen von Bürki, soll es am Saisonende gar der direkte Aufstieg werden.
Der ehemalige YB-Spieler, der auch schon beim FC Luzern und in Belgien, beim SV Zulte Waregem aktiv war, sorgte zuletzt mit seinem Prachtstor gegen die AC Bellinzona für fette Schlagzeilen. Als die letzten 20 Minuten begannen und den Oberländern immer noch kein Tor gelungen war, erlöste der 30-Jährige die Fans in der Stockhorn-Arena mir seinem prächtigen Distanzschuss. Dem enttäuschenden Auftritt in Aarau bei der 0:3-Niederlage liessen die Thuner einen weiteren Sieg gegen Leader FC Sion folgen und nährten so die Hoffnungen auf einen direkten Aufstieg. «Zuhause sind wir wirklich stark und es fällt unseren Gegnern schwer, uns zu bezwingen», sagt Marco Bürki. Er kennt auch die Gründe, weshalb die Ausgabe 2023/24 nicht mehr mit dem Team des Vorjahres zu vergleichen ist. «Im zweiten Jahr unter Trainer Mauro Lustrinelli sind wir in unserer Entwicklung viel weiter. Dafür sind verschiedene Punkte verantwortlich. Sowohl in taktischer Hinsicht als auch als Team sind wir einen Riesenschritt vorangekommen. Hatten wir vergangene Saison noch viele Leihspieler in unseren Reihen, sind wir jetzt als Mannschaft eine Einheit geworden, eine zusammengeschweisste Truppe, in der jeder für den anderen kämpft. Es ist wirklich ganz anders geworden, es sind viele kleine Sachen, die sich positiv ausgewirkt haben. Jeder trägt Verantwortung, alle denken mit und auch der Trainer hat grossen Anteil an unseren Erfolgen. Er führt viele Einzelgespräche, macht sich Gedanken, nicht nur über uns, sondern ebenso über den nächsten Gegner, auch er will ständig lernen und sich als Coach weiterentwickeln», sagt Marco Bürki.
Nach dem 0:0 am Wochenende bei Stade Nyonnais beträgt der Rückstand auf Sion noch drei Punkte.
Die Erfahrung der Einzelspieler
Marco Bürki vergisst in seiner Analyse auch nicht zu erwähnen, dass die Chemie und die Mischung stimmt. «Jan Bamert ist nach seiner Verletzung zurück, Leonardo Bertone ist ein wichtiger Eckpfeiler und versteht es, das Spiel zu lenken, Koro Koné war ein wichtiger Zuzug und die Franzosen, die zu uns gestossen sind, bringen ein bisschen Lockerheit in die Mannschaft – kurz und gut – wir haben uns gefunden.» Grosses Verdienst, dass es so rund läuft, kommt auch dem 21-jährigen Daniel Dos Santos zu. Er schiesst wichtige Tore und ist in jeder Situation für den Gegner gefährlich und unberechenbar.
Bürki ist aber auch ehrlich genug, um im Vergleich mit dem FC Sion, der vorderhand trotz der neuerlichen Niederlage in Thun noch die besten Karten auf den direkten Aufstieg in den Händen hält, zu erwähnen, «dass Sions Kader individuell sicher besser besetzt ist als wir. Unser Team lebt von der Energie, vom Willen die Rückkehr in die Super League zu bewerkstelligen und von der Leidenschaft, die jeden Spieler auszeichnet. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir durchaus fähig sind, auf dem ersten Platz abzuschliessen und ins Oberhaus aufzusteigen.»
Das Bindeglied
Als Captain ist Marco Bürki auch der verlängerte Arm Mauro Lustrinellis bei den Spielen und eine Art Bindeglied zwischen dem Trainerteam, dem Staff, der Klubleitung und der Mannschaft. So ganz nebenbei hat der Captain auch erfahren, dass sich im Verein in den letzten Wochen und Monaten einiges getan hat. Neue und aktive Mitglieder sind in den Verwaltungsrat gewählt worden, die nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten glänzen und in den Klub investieren.
Die Gedanken an die Vergangenheit
Zwei Cupfinalteilnahmen in den Jahren 1955 und 2019 und namentlich die Saison 2004/05, als der FC Thun mit dem damaligen Goalgetter Mauro Lustrinelli und dem damaligen Captain und heutigen Präsidenten Andres Gerber die Champions League rockte, die Auftritte in der Europa League, all diese Erinnerungen an goldene Zeiten machen bei den Thuner Fans Appetit auf mehr. Ein erster Schritt wäre die Rückkehr in die Super League – am besten bereits am Ende der Spielzeit 2023/24.
Marco Bürki zwischen Gegenwart und Zukunft
Der Fokus des Thuner Captains liegt klar auf der Gegenwart und dem FC Thun Berner Oberland, mit dem er die Promotion schaffte und in Bälde seinen auslaufenden Vertrag verlängern will. Doch Bürki verrät dem Thuner Amtsanzeiger auch einen Traum, den er gerne verwirklichen möchte. «In Amerika einmal mit oder gegen meinen Bruder Roman spielen, das würde ich gerne noch realisieren.» Goalie Roman würde wohl bevorzugen, stünde Bruder Marco im gleichen Team. Denn gegen einen Torschuss, wie ihn Marco mit seinem starken linken Fuss gegen Bellinzona wagte und den Sieg sicherstellte, kennt selbst der ehemalige Bundesliga-Goalie kein Rezept.
Pierre Benoit
Marco Bürki wurde am 10. Juli 1993 in Bern geboren. Er spielte im Nachwuchs des BSC Young Boys und von 2012–15 im Fanionteam. 2015–17 und seit 2021 beim FC Thun. 2018–20 Zulte Waregem (Belgien) und 2020/21 beim FC Luzern. Bürki spielte in verschiedenen Schweizer Nachwuchsmannschaften, auch in der U21.




