Gut aufgestellt der Zukunft entgegen

Do., 26. Nov.. 2020

Das Thuner Präzisionsmechanik-Unternehmen Kurt Schneider AG ist seit 47 Jahren erfolgreich am Markt – sozial, ökologisch und nachhaltig. Vorausschauend und fliessend unternimmt man nun den personellen Generationenwechsel auf Führungsebene. Ein Gespräch mit den Beteiligten.

Der Thuner Industrielle und Patron der alten Schule Kurt Schneider gründete 1973 seine Mechanik-Werkstätte als Kollektivgesellschaft Schneider an der Schorenstrasse in Thun. Was damals als Kleinbetrieb mit drei Mitarbeitenden begann, ist heute ein solides, mittelständisches Unternehmen in einer schnelllebigen und hektischen Branche. Nachdem die Räumlichkeiten an der Schorenstrasse zu klein geworden sind, erfolgte im Jahr 1993 der Umzug an die Tempelstrasse. «Dort bauten wir eigens ein neues Fabrikationsgebäude», erzählt der Sohn des Gründers und heutiger Inhaber Gerhard Schneider. Die Firma beschäftigt 18 Mitarbeitende und ist spezialisiert auf die Präzisionsmechanik, Baugruppenmontage und Sonderlösung mit Kundenfokus. Leider konnten zurzeit die offenen Lehrstellen nicht besetzt werden.

Ob Bohren, Fräsen, Drehen, Schleifen, Honen, Montieren und Laserbeschriften das Unternehmen Kurt Schneider ist sehr vielfältig, innovativ und engagiert. Es werden möglichst alle gängigen Verfahren – sei es in der Produktion oder mit eigenen Fabrikaten – angeboten. So entstehen mechanische Teile und Baugruppen für die verschiedensten Bereiche: etwa für Maschinenindustrie, Medizinaltechnologie, chemische Industrie, Elektronik und Sicherheitstechnik. Das Team von Kurt Schneider produziert Einzelteile, Klein-, Grossserien und kundenspezifische Komplettlösungen. Um dies bewerkstelligen zu können, braucht es einen grossen, diversifizierten Maschinenpark, der stetig mit modernsten Technologien ergänzt wird. Die Angebotsbandbreite reicht sehr weit. Alt-Patron Kurt Schneider formulierte es einmal so: «Wir fertigen sowohl Teile für Hunde-WCs wie auch solche für Weltraumraketen».

Erfolg mit guten Mitarbeitenden
Schon beim Betreten des augenfällig grünen Gebäudes in Thun-Allmendingen ist die angenehme Atmosphäre deutlich spürbar. Wohlwollend und menschlich, ja sogar als familiär wird das Betriebsklima bei Kurt Schneider wahrgenommen. «Die Mitarbeitenden sind unser wertvollstes Gut – gerne unterstützen wir sie, wo wir können und auch privat», bringt es der Geschäftsleiter Hans-Rudolf Holzer auf den Punkt. Als ISOzertifiziertes Unternehmen berücksichtigt die Firma Kurt Schneider auch ethische, soziale und ökologische Verhaltenskodexe. Dazu der Vollblut-Thuner Hans-Rudolf Holzer: «Wir sind sehr sozial, stellen auch ältere Mitarbeitende oder Berufsfremde ein». Zudem leistet die Firma Sozialarbeit etwa mit IV-Abklärungen und Chancen für Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt eher schwer haben. Die Firma nimmt ihre soziale Verantwortung im Verhältnis zu ihrer Grösse überdurchschnittlich wahr. Fördern und fordern sei die Grundlage, um die eingesetzten Technologien in der Unternehmung auch optimal zu nutzen, so ist Holzer überzeugt.

Mehrfach erprobte, starke Krisenresistenz
Neben einer nachhaltigen und ökologischen Produktion berücksichtigt das Unternehmen lokale Hersteller und Schweizer Lieferanten. Auch hierzu pflegt man gerne langjährige Partnerschaften – ebenso wie auf Kundenebene. Glücklicherweise führt das Wirkungsfeld der Firma zu einer sehr diversen Kundenstruktur in mindestens sieben Branchenzweigen. Hans-Rudolf Holzer betont: «Die Arbeit der Mitarbeitenden und unsere Zusammenarbeit mit Kunden machen uns widerstandsfähig gegenüber Krisen, was uns auch jetzt sehr zugute kommt». Auch in Zukunft will man bei Schneider klein, fein und flexibel bleiben!

Als Lehrlingsverantwortlicher für Polymechaniker* innen und Dozent an einer Höheren Fachschule weist Holzer zudem darauf hin: «Wir brauchen in der Schweiz nicht nur Hochschulabgänger*innen»! Ob Mann oder Frau, Holzer hat in seinen 37 Betriebsjahren bei Schneider schon viele Handwerker*innen ausgebildet. Dabei zählt für den ausgebildeten Mechaniker mit Meisterprüfung und didaktischer Ausbildung SVEB1 die Leistung und nicht das Geschlecht. Derzeit ist es jedoch schwierig, Lernende für handwerkliche Berufe zu finden. Bei Kurt Schneider hat es pro Jahr jeweils einen Ausbildungsplatz in der Polymechanik zu vergeben. Holzer stellt für seine Auszubildenden die Selbstverantwortung und die Selbstständigkeit ins Zentrum.

In acht Jahren wird Geschäftsführer Hans-Rudolf Holzer offiziell pensioniert. Auf diesen Fakt angesprochen, lacht der engagierte Berufsmann aus voller Brust: «Die Arbeit ist mein Leben, daher werde ich nicht plötzlich einfach abtreten – kürzertreten dann schon»! Für diesen Generationenwechsel bereitet man sich bei Kurt Schneider umsichtig und fliessend bereits jetzt vor. Zwar wird auch in Zukunft hier nicht nur einer sagen, wo es langgeht. Vielmehr nutzt man die „Schwarm- oder Gruppenintelligenz“ und gewährt dem gesunden Unternehmen eine gewisse Selbstorganisation durch Prozesse, die nicht in Stein gemeisselt sind.

Nächste Generation bereitet sich vor
Bereits hat der 37-jährige Adrian Spreng als ebenfalls langjähriger Schneider-Mitarbeiter das Amt des stellvertretenden Geschäftsführer angetreten. Seine Ausbildung als Polymechaniker absolvierte er bereits im Betrieb und er arbeitet seit seinem Lehrabschluss im Jahr 2003 ununterbrochen in der Firma. 2019 erreichte Adrian Spreng gesamtschweizerisch den besten Abschluss im Weiterbildungslehrgang zum Produktionsfachmann Swissmechanic. Unnötig zu sagen, dass Hans Rudolf Holzer sein Mentor war. «Wir sind in einer Branche, die sich permanent verändert und stetig nach Weiterentwicklung verlangt. Es braucht immer neue Sichtweisen und keine Betriebsblindheit, sondern vielmehr einen offenen Blick », so ist Adrian Spreng überzeugt. Der Familienvater aus Wattenwil besucht ständig Kurse – etwa auch in der Programmierung. So will er später dann auch Lernende im praktischen Bereich betreuen und ihnen viel mitgeben können.

Seine Sichtweise aufs Ganze hat sich mit der neuen Verantwortung im Job bereits drastisch verändert: «Ich sehe tiefer in die Abläufe hinein und erkenne die Zusammenhänge, so dass zum Beispiel der Liefertermin unbedingt eingehalten wird, und der Kunde die geforderte Qualität erhält.» Dabei seien diese in den letzten zehn Jahren überaus sportlich geworden, sagt Adrian Spreng. Er freut sich sichtlich auf die kommende Führungszeit gemeinsam mit Hans-Rudolf Holzer. Was ist für ihn das Wichtigste für die Zukunft des Unternehmens Kurt Schneider? Da lautet die Antwort von Spreng: «das Fortbestehen und die Weiterentwicklung der Firma.»

Dreh- und Angelpunkt
Den freundlichen Empfang bei Kurt Schneider habe ich ja schon erwähnt. Dafür ist die sympathische Kauffrau Sarah Gurtner mitverantwortlich. Sie arbeitet seit 2007 in der Firma und kennt als technische Mitarbeitende die Angebots-Palette von Grund auf. Umsichtig berät sie Kunden bei ihren Fragen, erstellt Offerten und Rechnungen und kümmert sich in ihrer Drehscheibenfunktion einfach um alles – bis auf die direkte Produktion. Auch sie wohnt in Wattenwil, absolvierte die Handelsmittelschule zur Kauffrau und schliesst im 2022 die Weiterbildung zur Technischen Kauffrau ab.
«Danach werde ich bei Kurt Schneider in einer führenden Position tätig sein», freut sich Sarah Gurtner. Schon jetzt blickt sie auf eine spannende Zeit in der Firma: «Wir haben hier ein Super-Team und meine Aufgaben sind sehr vielfältig!» Gerne widmet sie sich etwa den Kunden im Ausland – zirka 5 Prozent-Anteil – zum Beispiel in den USA, China, England oder in Deutschland. Dabei seien Geräte für die Elektronikindustrie mit extrem vielen Ersatzteilen jeweils eine besondere Herausforderung, meint sie. Wo sieht sie in Zukunft ihr Engagement für Kurt Schneider? Worauf sie antwortet: «Unsere Kunden weiterhin gut zu betreuen und Mitarbeitende zu fördern, damit ihre Motivation gross bleibt. Denn wir schaffen es nur gemeinsam – wobei die Mitarbeitenden stets die wichtigste Ressource einer Unternehmung sind!» Barbara Marty

Kurt Schneider AG
Tempelstrasse 1, 3608 Thun
www.schneidercnc.ch

 

Ausgabe