„Ineschtäche, umeschlah, dürezieh – u inecho“

Do., 07. Jan.. 2021

Vera’s Näh- und Wolle-Stübli in Sigriswil feiert dieses Jahr seinen 25. Geburtstag. Die Inhaberin Vera von Gunten erzählt, wie alles begann und gewährt Einblick in ihr vielseitiges Angebot. Natürlich verrät sie uns auch ihre tollen Jubiläumsaktivitäten!

Was im Gespräch mit Vera von Gunten schon nach ein paar Sätzen auffällt ist ihre grosse Begeisterung. Zum einen ist es ihre grundsätzliche Freude am Leben, mit der sie einem entgegenlacht, zum anderen ist es ihr grosses Vergnügen an ihrem Beruf und an ihrer Arbeit. Diese würde sie sogar nicht als solche bezeichnen, sondern sie betont: «Ich habe nicht das Gefühl zu arbeiten oder zu leisten – mir gibt das Ganze im Austausch mit den Menschen so viel Energie.» In ihrem Näh- und Wolle-Stübli im Dorfkern von Sigriswil hängt daher ihr Lieblingsspruch, den sie nicht nur gerne zitiert, sondern auch lebt: «Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.»

Die gelernte Textiltechnikerin strahlt wie die Sonne, als sie erzählt, warum es sie an den Thunersee zog: «Im Jahr 1987 kam ich aus Ex-Jugoslawien zum Geldverdienen für mein Studium an der Uni in Zagreb in eine Service-Saisonstelle via Beatenberg nach Sigriswil.» Sie ist geblieben – damals wegen der Liebe und weil die Gegend ihr gefiel.

Wie ein Overall sie ins Geschäft brachte
Vera von Gunten hat schon immer leidenschaftlich genäht, gestrickt und gehäkelt. Als sie dann ihrem knapp einjährigen Sohnemann einen Overall nähte, sorgte dieser im Dorf Sigriswil für einiges Aufsehen. Häufig wurde sie darauf von anderen Müttern auf der Strasse angesprochen und gefragt, wo sie den Overall her habe und ob sie noch mehr davon nähen könnte. So kam das eine zum anderen, wobei der knallig farbige Einteiler aus Faserpelz sozusagen der Stein zum Anstoss bot, so dass sie im Jahr 1994 in ihrem damaligen Wohnhaus ihr erstes Nähatelier einrichtete. Hier erledigte sie zuerst vorwiegend allgemeine Näharbeiten und Änderungen. Das Geschäft lief gut. Mit zunehmender Kundschaft erwachte ihr Wunsch nach einem eigenen Nählokal im Dorf. Am 3. Januar 1996 war es soweit: Vera’s Nähstübli bezog erste Räumlichkeiten ausserhalb der Wohnung und feierte Eröffnung.

«Ursprünglich plante ich mein Geschäft als Nähatelier», erinnert sich Vera von Gunten lebhaft. Schnell fragten die einheimischen Frauen bei ihr nach Wolle. So suchte sie nach Lieferanten und startete mit Socken-Garn. Mit der Nachfrage nach T-Shirts und Freizeitbekleidung brachte sie daraufhin ein Teilsortiment von Switcher in ihren Laden. «Ich gehe gerne auf die Bedürfnisse meiner Kundschaft ein – so gesehen formte sie auch mein Angebot», sagt die Geschäftsfrau. Dank ihrer vierjährigen Ausbildung als Textiltechnikerin weiss sie, was eine gute Qualität ausmacht. In Bern absolvierte sie zudem am Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung (SIU) den Lehrgang zur diplomierten KMU-Geschäftsfrau. So war es für sie naheliegend, ein qualitativ hochstehendes Sortiment zusammenzustellen.

In Vera’s Näh- und Wolle-Stübli gibt es ein ausgewähltes Angebot für Sie und Ihn. Dazu zählen für Vera Nachhaltigkeit und Qualität aus der Region (Europa). Billig produzierte Massenprodukte interessieren sie nicht. Sie führt daher die Marken Triumph, Sloggi, ISA, Wrangler, Frank Walder, Stark, Columbia, Camano, Rohner und natürlich die gesamte Kollektion von Edelweiss.

Sie stickt zudem Logos und Firmennamen auf Berufsbekleidungen – sei dies auf Kragen bei Hemd und Bluse wie auch auf Jacke oder Uniform. Dabei blüht die Unternehmerin zu ihrer Höchstform auf. Schliesslich sind Berufsbekleidungen und deren Veredelungen ihre wichtigste Einnahmequelle. So beliefert sie viele Firmen – vor allem Gastrobetriebe, aber auch Bauunternehmungen, Gärtnereien, Pflegepersonal und Parkhäuser. Von Bestellung über Veredelung, Änderung, Anprobe bis hin zur Auslieferung – alles in und von Sigriswil aus.

Ausserdem kann man ihr Textilreinigungen von normaler Bekleidung, Teppichen, Matratzenhüllen und Duvets anvertrauen. Auf den im Laden gekauften Kleidern übernimmt sie auf Wunsch alle Änderungen. Bei Einkäufen ab hundert Franken ist das Kürzen der Hosen gratis. Selbstverständlich kann man ihr auch alle übrigen Kleider zum Abändern bringen.

Vera von Gunten freut sich über einen grossen Kundenkreis: «Meine Kundschaft kommt von überall her – und die Hängebrücke bringt viele Spazierende ins Dorf, die an meinem Laden oft nicht einfach nur vorbei flanieren.» Und wer einmal drin ist, Qualitätsware und Handarbeiten mag, kommt nicht umhin, nach Trouvaillen zu schmökern und diese prompt zu finden. Die Adresse ist also längst kein Geheim-Tipp mehr – und wie üblich für das Gute, verbreitet sich dessen Kunde von Munde zu Munde. «Oft werden im Laden rund um das Handarbeiten auch Ideen oder Tipps ausgetauscht», erzählt Vera von Gunten. So kam ihr die Idee für die gemeinsamen Strick-Nachmittage.

Tausche Ehemann gegen Garn
Humorvoll, wie Vera von Gunten nun mal ist, wirbt sie für den gut eingebürgerten „Lismer-Träff“ bei ihr im Stübli auf einer Postkarte mit diesem Spruch: Tausche Ehemann gegen Garn. Dieses Treffen findet normalerweise mittwochs alle zwei Wochen ab 14 Uhr statt. «Manchmal trudelt um 12 Uhr schon die Erste herein, meistens sind wir zwischen 10 und 20 Frauen», berichtet Vera von Gunten. An diesen Nachmittagen wird vor allem gestrickt und es werden auch Erfahrungen, Strickmuster und Vorschläge ausgetauscht. Dazu gibt es Kaffee, Kuchen und manchmal ein „Schnäpsli“. Vera von Gunten ist überzeugt: «Stricken und das Beisammensein mit Gleichgesinnten hat eine grosse therapeutische Wirkung – man wird ausgeglichener.» Momentan tauschen sich die „Lismerinnen“ via WhatsApp aus, weil die Treffen derzeit nicht möglich sind. Doch der passionierte „Lismer-Crack“ Vera scheut keine Mühe und schickt auch mal per Video eine schwierige Strickanleitung, um weiterzuhelfen. «Ich kreiere gerne neue Modelle oder häkle auf Tunesisch – meine Ideen gehen mir da nie aus, doch habe ich nicht Zeit für alles», meint sie lachend. Daher hat sie ihre fleissigen Helferinnen, die sie in Heimarbeit bei der Realisation von Kleinst-Serien unterstützen. Das sorgt für Beschäftigung und gibt einen Zustupf – so ist allen geholfen!

Im Jubiläumsjahr – Motto 25/55
«Auch nach 25 Jahren habe ich das Gefühl, erst gestern mein Geschäft eröffnet zu haben», äussert sich Vera von Gunten erstaunt darüber, wie schnell einmal mehr die Zeit verging. In ihrem Jubiläumsjahr 2021 erhält jeder Kunde bei einem Einkauf ab 25 Franken ein kleines Geschenk, das die Teilnahme an der Verlosung beinhaltet. Am 21. Dezember 2021 findet dann diese statt – mit 25 attraktiven Preisen aus der Region. Ausserdem gibt es heuer am 3. Juni in Vera’s Näh- und Wolle-Stübli ein besonderes Fest unter dem Motto 25/55. Was es mit der Zahl 55 auf sich hat, ist am besten vor Ort zu erfahren!
Barbara Marty

Vera’s Näh- und Wolle-Stübli, Vera von Gunten
Dorfstrasse 50, 3655 Sigriswil
Telefon 033 251 22 66
Di/Do/Fr, 9 bis 12 / 13.30 bis 18 Uhr
Mi, 9 bis 12 Uhr / Sa, 9 bis 16 Uhr
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