«Die Erscheinung ist magisch»

Mi., 18. März. 2020

Pier Hänni erforscht seit 1967 die mystische Dimension des Berner Oberlands. Der gebürtige Berner Autor lebt schon länger in Sigriswil. Ein Gespräch mit ihm auch über Kraftorte.

Um es vorneweg festzuhalten: Kraftorte haben nichts mit Esoterik zu tun. Sondern Orte der Kraft in der Natur gehören seit jeher zu den Menschen. Sie waren die Tempel lange bevor die Religionen ihre Kirchen, zumeist genau da aufbauten. Denn auf diesen Plätzen herrscht spür- und messbar eine erhöhte Schwingung oder Strahlung. Sie ist wie alles in der Natur dynamisch und kann in Boviseinheiten bestimmt werden. Kraftorteforschung ist eine Grenzwissenschaft und fügt sich in die Geisteswissenschaften ein. In erster Linie folgt sie der Wahrnehmung, durch die Beschreibung wiedergegeben.

Kraftorteforscher Pier Hänni
Einer, der sich mit der Kraftorteforschung gut auskennt und viel über Kraftorte im Berner Oberland geschrieben hat, ist der 71-jährige Pier Hänni. Als freier Autor lebt der gebürtige Berner bescheiden und eher zurückgezogen in Sigriswil. Geprägt haben sein Wissen um die Kraftorte vor allem: seine Mutter, Sergius Golowin und die Indianer. Pier Hänni ist denn überzeugt: «Unsere Indianer waren die Kelten.» Doch der Reihe nach!

Zuerst war die Mutter
«Meine Mutter wuchs als „Verding-Chind“ auf», erzählt er schwelgend und schon mitten drin in seinen Erzählungen. Sie habe Glück gehabt, dort wo sie nach dem Tod ihres Vaters hinkam, gab es endlich genug zu essen und so kam es für sie zum Besseren. Ihr Leben sei wie aus einem Gotthelf-Roman und ergäbe ein Buch für sich. Wer weiss, Pier Hänni schreibt derzeit an seinem ersten Roman. Denn von den Sachbüchern – davon gibt es von ihm schon zwölf – hat er nun etwas genug. Lieber will er mal eine eigene Geschichte verfassen: «da schnuuret eim när niemer dri!» Die Liebe zum Thunersee, zur Natur und ihren Wesen hat ihm seine Mutter übergeben. Sie habe ihm schon als Kind viele Geschichten erzählt und die „heimelige Egge“ oder eben die Kraftorte näher gebracht.

Schlüsselerlebnis auf Seefeldalp
Im Sommer 1967 übernachteten Pier Hänni und ein paar Freunde in der hinteren Seefeldalphütte auf der Seefeldalp. Mit von der Partie: Sergius Golowin, der Schweizer Autor und Mythenforscher. Pier Hänni wird ihn später stets als einen seiner wichtigsten Lehrer nennen. Im Morgengrauen sei Hänni alleine aus der Hütte geschlichen und wohl noch barfuss über die taunasse Alpweide spaziert. Auf einmal nahm er die Energiewirbel rund um sich herum wahr, in der Luft und am Boden. Alles zeigte sich ihm in pulsierender Bewegung: Die Tanne wog sich sanft im Wind, und er sah in ihr eine tanzende Frau. Wohlgemerkt: ohne Alkohol oder Drogen! Dieses Erlebnis verschaffte ihm den Zugang zur magischen Welt der Erscheinungen. Auch Begegnungen mit Lakota-Indianern und Reisen in den Himalaya befeuerten und bekräftigten Pier Hänni’s tiefes Wissen: «Die Erde macht unser Wesen aus».

Bücher zur Region – von Pier Hänni

– Kraftort Jungfrau
– Kraftort Thunersee
– Wege zu Orten der Kraft
– Magisches Berner Oberland

www.alpenmagie.ch

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